den augenblick fühlen und verbuchstaben
Freitag abend im Café. Treffe auch Herbie. Einer der wenigen Lichtmenschen hier am Höllentor. Männeranteil 97,7%. Einsamkeiten zwischen zwanzig und achtzig Jahren tummeln sich hier täglich. Die üblichen Verdächtigen. Allesamt dem Teufel zugetan. Hohe Dosen des Suchtgenusses täglich. Sie und wir alle suchen Zuflucht in dieser Sucht. Zum Vergessen können oder zum Lustig sein. Egal, ab einer Zeit schwingen alle gleich - ist man Familie hier. Die Flucht vom sozial Erwünschten ist gelungen. Der Dämon hat den Geist besiegt, das Steuer übernommen und navigiert seine Kreise. Doris bringt uns zum Fritz. Noch teuflischer. Hier trifft man noch viel mehr von der Familie. Alle mit dem selben Blick fürs Unwesentliche. Herbie und ich sprechen allerhand, beobachten, staunen, erzählen unsere Gedanken in Augenblicken. Stumme Verständnis. Kaum können wir weg. Wir kleben fest. Am Boden. Ruckartig - erst dann schmatzen unsere Füße zum Ausgang. Scharfe, heiße Hunde zum Anbeißen. Es wird schon spät in der Früh. Der Lichtmensch lässt mich zurück mit der Familie. Bald schon findet sich Bernd und Susanne und ein Fahrzeug, dass uns zum Pfuhl der Familie bringt. Es staut sich ringsum. Man kann seine Gedanken nicht mehr hören. Zu laut hier und zu heiß. Mein Dämon schaltet kurz und bricht aus. Im Taxi herrscht Frieden. Es kann nach Hause gehen, endlich. Dreck abwaschen und schlafen. Besserung schwören. Doch schon bald wird man wieder gesteuert. Zum Café.