den augenblick fühlen und verbuchstaben
Deine Wurzeln werde ich fühlen
wenn die Erde mich genommen,
wenn die Quellen mich umspülen
im Gesang der Sommersonnen.
Deine Blüten werde ich sehen
wenn ich diesem Leib entschwebe
und die Winde milde wehen,
daß dein Duft zu mir sich hebe.
Wenn Libellen dich umtanzen
bin ich mit im frohen Kreise.
Deiner Blüten helle Lanzen
sehn mir nach auf froher Reise.
Denn ich werde weiterziehen
in das traumhaft Unnennbare,
da mir Größeres gediehen
und ich höchstes Licht gewahre.
Doch du wirst mich nicht verlieren,
denn ich komme zu dir wieder,
dich als Blüte zu verzieren.
Faltertanz und Vogellieder
werden unsern Tag bezeugen,
unser Zweisein in der Helle,
und die Winde werden beugen
Farn und Gras zur stillen Quelle.
Schöner Baum im Blütenschleier,
du und ich, wir sind ja eines.
Tanzt der Schmetterling zur Feier,
bin ich fern der Welt des Scheines.
Hold verwandelt neigt sich wieder
mein Gesicht auf grüne Fluren,
und im Chor der Vogellieder
seh ich unverlorne Spuren.
Urgeheimnis eint die Stunde,
da die Formen sanft verfließen.
Baum und Mensch im fiefsten Bunde.
Seelen ineinanderfließen.
Paul Anton Keller, Sammlung "Silberband", Folge 12